Boah! Ist das teuer!


Weg von den ganzen Gedanken in Teil eins meines Silvesterbeitrages hin zu Silvester und wie wir feiern - möglichst zerowaste versteht sich ;-P

der Lord  / pixelio.de

Wie feiern die Deutschen so grundlegend Silvester?
Tradition ist wohl das Raclette, die Party und ganz viel Feuerwerk. Man sitzt beisammen, lässt Tischfeuerwerk los, ist ausgelassen und manch einer gießt Blei.

Beim Essen kann man ja den Müll durch unverpacktes Einkaufen gut vermeiden. Anstatt Papierservietten zu kaufen, schafft man sich einmal schöne Stoffservietten an (das fühlt sich doch gleich noch viel nobler an). Doch wie will man den Müll bei Feuerwerk und Blei gießen verzichten?
Verzichten? Verzichten ist immer doof. 

Meine Lösung ist austauschen durch andere schöne Traditionen. Sodass gar nicht das Gefühl, dass etwas fehlt, aufkommen kann.

Wir haben daher beschlossen dieses Jahr Silvester anders zu verbringen. Wir werden draußen bei uns im Garten sein (ja bei -10°C - so schaut's aus!) und grillen. Es wird finnischen Flammlachs und Glöggi geben und wir stellen ein Schwedenfeuer auf um uns zu wärmen. Dazu gibt es für jeden Stuhl ein dickes Sitzkissen und eine Decke. Zu Mitternacht hin werden wir auf Zetteln schreiben, was uns dieses Jahr alles belastet hat und diese im Feuer verbrennen. 
Und man glaubt es kaum! Bei unseren Freunden kam dieser Vorschlag gut an!

 Habt ihr schöne müllfreie Ideen für Silvester?
E. Kopp  / pixelio.de

Noch ein bisschen was zum Nachdenken...
Also bin ich los gezogen, habe alles besorgt und sogar unverpackten Lachs in Bioqualität gefunden. 900g Lachs für satte 31 €. Soviel ist also ein guter Lachs wert. Bei real hab ich das Kilo für knapp 10 € gesehen. 
Daheim kam natürlich auch gleich der Kommentar: "Boah! Ist das teuer!"

Ist es das wirklich? Oder ist es das nicht einfach eben so viel wert? Wie viel ist das Leben eines Lachsfisches wert?
 
Mein Mann hat dieses Jahr wieder Raketten und Böller gekauft. Mehr denn je zuvor für stolze 142 €. Eine kleine Batterie für 20 € hat eben nicht gereicht. Muss ich mit leben. Schießt er eben 142 € in einer halben Stunde in die Luft. Vom ganzen Müll zu schweigen. Aber ich halte den Grundsatz nur das in Richtung Müllfrei zu verändern, was einem nicht weh tut. Wenn ihm das nicht Ballern weh tut, soll er es machen.

Aber für euch noch ein weiterer kleiner Gedanke:

Ich hab die letzten Tage etwas sehr Interessantes gelesen. Wir sollten eigentlich unsere Dinge nicht in Geld rechnen sondern in Zeit. 

Denn Zeit ist eine sehr viel wertvollere Währung. 

Mein Lachs hat 31 € gekostet. Mein Nettostundenlohn liegt bei knapp 12,00 €. Ich musste also fast drei Stunden arbeiten, um mir diesen Lachs leisten zu können.
Für die Böller müsste ich fast 12 Stunden arbeiten, damit man eine halbe Stunde lang alles in die Luft jagen kann. Danach nochmal eine halbe Stunde alles zusammen fegt und schließlich sich am nächsten Morgen aufragt, weil der doofe Nachbar nicht alles zusammen gefegt hat. 

Ist es das wert?

Mit diesen Gedanken: Einen guten Rutsch euch allen!

Liebe Grüße aus dem Herbstwald

Helene

https://einfachnachhaltigbesserleben.blogspot.de/

Endgedanken...

Na ihr Lieben,

wie endet euer Jahr so? Meins bisher mit einmal Smoothie und einmal Tomate auf der Hose, Katzenkotze wegwischen und natürlich Silvester vorbereiten. Ich hab mir ja mein Jahresende ruhiger vorgestellt. Stressfrei mit einem Kaffee.

Die letzten Tage waren aber alles andere als stressfrei. Aber nicht weil mehr zu tun ist, sondern einfach weil die Leute alle um mich herum mehr streiten. Ich organisiere auf der Arbeit zwei Tage Kinderbetreuung mit. Viele junge Eltern sind dankbar, dass sie nicht volle drei Wochen mit Urlaub überbrücken müssen. Aber das Kuriose ist, dass viele alte Mütter (die mit den erwachsenen Kindern) mir mit Missgunst begegnen. So richtig eifersüchtig, weil sie das nicht hatten und die heutigen Mütter hätten es viel zu gut.
Aha.

Wir haben zu Silvester eingeladen. Jetzt zickt ein Gast rum. "Wenn die kommt, dann komm ich nicht."
Aha.

Immer wieder interessant. Wie heißt es so schön. Wenn jemand die Kraft hat zu streiten, dann geht es ihm immer noch gut. Ich hab dazu keine Kraft mehr.
Und ich wünsche vielen Menschen, dass sie die Kraft dazu verlieren. Dann erreicht man diesen herrlichen Zustand des Loslassens.

Auch das ist Minimalismus. Schlechte Gefühle minimalisieren. Nur noch Kraft für das gute Aufwenden können. Sich über unnötige Personen nicht aufregen. Prioritäten setzen.
Wer darf genug Macht über meine Gefühle haben?

Onlinebekanntschaften, Kollegen, Freunde, Familie, der Partner? Wo setzt man die Grenze?

Und was ist überhaupt aufregen?
Schreien? Rumzettern? Lästern? Drüber nachdenken?
Ich finde selbst schon das Lesen von Schlechtem gehört zum Aufregen. Und damit meine ich nicht nur Zeitung mit den Ereignissen in der Welt. Wir werden ständig mit Ballast bombadiert. Facebook hat mir heute morgen als Vorschlag gegeben: Schwanger von Michael T? Sarah P... bla bla
Unnötig Informationen in Masse und die Titel sind so formuliert, dass wir das wissen wollen. Aber eigentlich wollen wir das doch nicht.


Ich wünsche allen, dass sie mal inne halten und einfach loslassen. Nicht einfach alles um einen herum zu Ballast werden lassen. Denn Ballast muss man sich von der Seele reden und gibt diesen damit automatisch an eine andere Person weiter. Gibt nicht jedem die Kraft über euch. Schon gar nicht der Werbung.

In diesem Sinne ein kleines Video für euch über Inhalt, über Wahn und über was man nachdenken sollte:


Und hier geht es mit Teil 2 meines Silvesterbeitrages weiter. Weniger Gedanken, mehr zerowaste zu Silvester.

#drübernachgedacht: Rückfall

Hallo Ihr Lieben,

es war lange Zeit still hier. Dies hatte einen einfachen Grund: Nach meinem letzten Urlaub brauchte ich erstmal etwas Zeit mich zu "erden". Ich war nämlich Ende Oktober in Hong Kong für zwei Wochen. Und heute will ich darüber schreiben. Wie war es dort? Wie ist die Müllkultur dort? Treibt einen die Werbung in den Wahnsinn? Und wieso steht in der Überschrift "Rückfall"?

Wie war es in Hong Kong?
In kurzen Worten gefasst: Ich würde dort leben.
Es gibt nur wenige Urlaubsorte (und keiner war bisher her eine Millionen-Großstadt), an denen ich leben würde. Der Urlaub begann mit der Erwartung einfach mal eine andere Kultur und eine Großstadt zu sehen. Ich hatte erwartet erschlagen und überfordert zu sein. Quetschende Massen, viel Dreck und Smog. Es war alles, aber nicht das. Ich war erschlagen und verliebt.

Hong Kong besteht heute aus der Hauptinsel Hong Kong Island, der Insel daneben mit dem Flughafen "Lantau", dem Festlandteil Kowloon und den hinteren Festlandteil New Territories.

Gewohnt haben wir auf Kowloon bei meiner Cousine im 38. Stock. In solch einer Hochhausanlage leben übrigens bis zu 2000 Menschen. Ein ganzes Dorf also. Daher haben solche Anlagen neben Portiers, auch ein Restaurant, Lernräume für die Kinder, Gesellschaftsräume und ein Stockwerk zum Draußen sitzen (im 3. und 37. Stock), Sauna, Schwimmbad, Sporträume,...

Das Schöne an Kowloon ist, dass es zwar Touristenplätze gibt - z.B. der Hafen. Aber die Innenstadt oder die Malls und Märkte sind touristenarm. Der meiste Tourismus spielt sich auf der Hauptinsel Hong Kong Island ab. Dort existiert daher auch ein über proportionales Angebot an Burgern. Als ob wir nur ... naja egal. In Kowloon haben wir sehr viel der chinesischen Kultur gesehen. Vieles Dank meiner Cousine, die dort lebt und sich abseits des Tourismus auch auskennt. So gingen wir durch Seitengassen, die ich niemals betreten hätte oder in Häuser, die von außen schon anschimmelten, aber innen dann tolle Wellnessoasen zu bieten hatten.

Das Loch in der Mitte ist übrigens eine Aussparung, damit die Drachen durch fliegen können.


Die Chinesen sind ein sehr friedliches Völkchen. Ich muss ehrlich sagen, ich hab auf Deutschlands Straßen mehr Angst. Mehr Angst abends raus zu gehen, bestimmte Ecken zu betreten oder in die U-Bahn mich zu setzen. Nicht immer weil überall Kleinkriminelle rumlaufen, sondern weil wir von Grund auf ein aggressiveres Volk sind. Man mustert die anderen, lästert über Outfits oder Umstände und hat man schlechte Laune, hat man auch kein Problem damit jemand einfach mal anzupöbeln. 
Leben und leben lassen - das hab ich in Hong Kong das erste Mal wirklich erfahren. Keinen interessiert es wie du rum läufst. Wirklich niemand! Du wirst einfach nicht beachtet. Sobald wir aber hilflos rumstanden und etwas nicht fanden, war sofort jemand aus der Bevölkerung da und hat uns geholfen. Wir mussten nicht fragen. Alle waren nett und höflich. 
Man stellt sich brav in einer Reihe an, wenn man auf den Bus, das Taxi oder die U-Bahn wartet. Keiner fährt schwarz und die öffentlichen Plätze sind sehr sauber. 
Das waren jetzt nur die postitiven Seiten Hong Kongs. Jede Stadt hat ihre Pros und Kontras. Hong Kongs Kontras sind defintiv die Mieten (1 Zimmer kostet 1500,- € im Monat), die Arbeitswelt (40 Stunden von 9-18 Uhr, 20 Urlaubstage, Überstunden für die Firma) und der Shoppingwahnsinn. 

Wenn ihr den Europreis wissen wollt, einfach alles durch 8 teilen.

Daher zu meiner nächsten Frage: Wie ist die Müllkultur dort?

Vieles ist durch strenge Gesetze in Hong Kong geregelt. Rauchen, Müll auf den Boden schmeißen oder essen in den U-Bahnen führen zu sehr hohen Strafen (800 € - 1500€). Daher ist es für eine Großstadt sehr sauber.
Man kann dort verschieden einkaufen gehen. Es gibt überall kleine Kioske mit Wasser und Süßigkeiten sowie Sandwiches. Daneben Supermärkte in verschiedenen Größen und Markthallen mit offenen Verkaufstischen. In den Supermärkten ist so ziemlich alles in Plastik verpackt. Oben auf dem Foto kann man es gut sehen. Selbst Blumen werden in Plastik verkauft. Da ist jede einzelne Blüte in einer Art Schaumstoff gebetet, damit nichts kaput geht. Chips in der Tüte entpuppten sich als 6 kleine Chipstütchen in einer großen Chipstüte. Verpackungswahnsinn auf einem neuem Level.

Interessant waren die Markthallen. Hierhin verirren sich die Touristen nicht. Dabei erhält man hier alles viel günstiger und frisch! Nichts wird nach Aussehen sortiert und man kriegt hier alles in seinen mitgebrachten Beutel. Oder in die Plastiktüte. Je wie man will. Dort gibt es auch keine Diskussionen, wenn man etwas in die Dose haben will. Man bummelt durch die Gänge entdeckt viel neues, manchmal auch Kurioses (Hühnerfüße).

Also ein zerowaste Leben ist dort mehr als möglich.

Treibt einen die Werbung in den Wahnsinn?
Oh ja. Dort nimmt sie nochmal ein neues Level an. Tausende Läden aneinander gereit, Werbeposter wo man hinsieht, Werbefilmchen laufen in der U-Bahn. Es ist schon auf dem Festland extrem. An jeder U-Bahnhaltestelle findet man eine Mall. Aber auf der Hauptinsel... die City ist einfach nur noch ein Konsumland. Ein riesiger Stadtteil, wo nur Läden sind! Alle 500 Meter sind man Dolce&Gabana und andere Nobelmarken. Apple hat ein dreistöckiges Verkaufshaus... Und die Verkaufsräume sind riesig. Gleichzeitig sind manche Menschen so arm, dass sie nur 1qm (EINEN QUADRATMETER) zum Wohnen haben. Da frag ich mich, wie man das mit sich Vereinbaren kann. Es heißt immer es sei kaum Platz dort. Nein, der Platz wird für den Konsumwahnsinn genutzt. Neben den Nobelpalästen gibt es dann die Märkte. Jeden Abend kann man gefälschten Ramsch kaufen gehen und handeln was das Zeug hält.

Der Night-Market in Kowloon


Der Rückfall
Die letzten Monate habe ich stark an meinen Konsumgewohnheiten und meinem persönlichen Müllberg Zuhause gearbeitet. Nach und nach habe ich festgestellt, dass ich vieles nicht brauche und früher immer mehr kaufen musste, damit ich dieselbe Freude beim Kaufen empfinde. Das zu kappen tat mir sehr gut. Mit der Zeit hatte sich etwas in mir verändert. Wollte ich früher Dinge unbedingt kaufen, damit ich glücklich bin, reicht es mir jetzt dafür Dinge einfach nur zu sehen. Ich empfinde plötzlich dieselbe Freude, wenn ich die Dinge nur anschauen kann wie früher als ich gekauft habe. Ein wirklich schöner Effekt. 
Auch in Hong Kong war es anfangs so. Wir waren nicht im Kaufrausch. Es wurde gekauft, was man zum Essen braucht. Dann kam das erste Souvinir, dann das erste Mitbringsel, dann die ersten Naschsachen.
Hand aufs Herz: Wir haben unkontrolliert am Ende gekauft. Wir sind mit einem mittleren Koffer dorthin geflogen und haben vor Ort einen weiteren Koffer gekauft. Der war jetzt nicht übermäßig voll, aber wir haben daheim eine Asia-Taste-Party geschmissen, wo alle sich durch die verschiedenen kuriosen Chips- und Süßigkeitensorten schlemmen konnten. 
Vor Ort hatte ich einfach immer mehr Ausreden, warum ich jetzt etwas Kaufen wollte. Von einem Weihnachtswichtelpaket, über Pflichtmitbringsel, u.s.w. Ausreden hatte ich genug. War das nötig? Nein, auf keinen Fall und als ich wieder hier war, war es schwer für mich. 

Daher war auch lange hier Funkstille. Ich musste erstmal wieder meine Mitte finden und mir diesen "Ausrutscher" selbst verzeihen. Mein Mann (ja, der Grummelige, der nicht immer so will wie ich) hat mich dabei sehr unterstützt. Er hat schneller in unseren zerowaste Alltag reingefunden als ich und hat mich motiviert. Inzwischen bin ich daheim wieder gut angekommen. Habe meine guten Gewohnheiten wieder angenommen und nun auch wieder viel Energie für neue Zerowaste Projekte. 

Übrig geblieben ist nun viel Positives, dass ich aus Hong Kong nach Deutschland mit gebracht habe. Während zwar mein Müllverhalten ausgeartet ist, habe ich innerlich viele der guten Werte von dort mitgenommen. Mehr lachen, mehr tanzen, mehr leben lassen.

Jeden Abend werden Straßen gesperrt. Sänger singen und die Menschen tanzen auf offener Straße dazu.
Liebe Grüße aus dem Herbstwald

Helene

P.S. und weil ich wissen will, ob noch andere mit Rückschlägen dieser Art zu kämpfen hatten, reiche ich diesen Beitrag bei EiNaB ein.