#drüber nachgedacht: Bilanz ziehen



Seit März versuche ich nun meinen Hausmüll zu reduzieren. Ich für mich möchte jetzt eine erste kleine Bilanz ziehen. Was hat sich verändert? Wo waren die größten Erfolge? Was ist schwer? Rückschläge? Was will ich noch ändern? Wo sind meine Grenzen?

Was hat sich verändert?
Viel! Ich gehe inzwischen einmal die Woche Samstag Vormittag einkaufen. Meistens auf den Markt und zum Bäcker. Öfters auch zum Edeka oder Lidl.
Unser Restmüll ist fast ganz verschwunden - natürlich unter der Primisse, dass ich hoffentlich im Moment den Müll richtig trenne. Inzwischen habe ich z.B. gelernt, dass Kassenbons wegen der starken BPA-Beschichtung Restmüll sind und kein Papier.
Auch der Rundmüll wird weniger. Meistens füllt er sich durch Sachen, die wir noch aufbrauchen wie Duschflaschen.

Eine kleine Übersicht, was ausgetauscht wurde und ob es "easy" zum Nachmachen ist. Vieles muss man nur im Internet einmalig bestellen z.B. den Rasierhobel und schon ist die Umstellung fertig. Anderes wie das Einkaufen gehen mit Dosen kostet einen schon Überwindung ist daher schwieriger:


Im Bad:
Einwegware Mehrwegalternative Umstellung
Einwegrasierer Rasierhobel easy
Wattepads selbstgehäkelte Pads easy
Tampons Menstruationstasse easy
Sprühdeo festes Deo easy
Ohrstäbchen Mehrwegstäbchen aus Holz mittel
Shampoo festes Shampoo mittel
Seife im Plastikspender Stückseife oder Flüssigseife
selbst herstellen
easy-mittel
 
Küche/Einkaufen
Einwegware Mehrwegalternative Umstellung
Plastiktasche Stofftasche easy
Plastiktütchen für Gemüse Wäschenetze mittel
verpacktes Fleisch, Wurst
und Käse
Dosen schwer
Wasser in Flaschen Wasser aus dem Hahn easy
Brottüte Brotbeutel aus Stoff mittel
Joghurt, Sahne und Milch
 in Plastikbechern
Mehrweggläser easy
Kuchen in Papier verpackt Dose mittel
Schokolade in Verpackung lose im kleinen Beutel bei
Hussel oder im Unverpackt
Laden
easy-mittel
Reis, Nudeln, Haferflocken
 & Co in Einwegverpackungen 
Dose im Unverpacktladen easy
Quark, Butter, saure Sahne
im Becher oder Plastik
selber machen schwer
Alufolie und Frischhaltefolie Dosen, Töpfe, Gläser, Teller easy
Eis selbermachen oder in der
Waffel an der Eisdiele
easy-mittel
 
Putzmittel
Einwegware Mehrwegalternative Umstellung
Einwegspüllappen und Schwämme Waschbare Lappen
und Schwämme
mittel-schwer
Zewa Waschbare Lappen mit
Saugkraft
schwer
Glasreiniger Flasche auffüllen mit 1:5
Spiritus und Wasser
easy
Kloreiniger auffüllen im Unverpacktladen easy
Duschkabinenreiniger braucht keine Sau easy
Klotabs s.o. easy
Badreiniger auffüllen im Unverpacktladen easy


Wo waren die größten Erfolge?
Die größten spürbaren Erfolge sind im Bad und beim Lebensmitteleinkauf zu verzeichnen. Da spürt man einfach am meisten, dass sich was getan hat im eigenen Heim. Dadurch hat sich am meisten Müll reduziert. Und natürlich mein Erfolgserlebnis bei meiner Anfrage bei Schrozberg zum Thema Quark im Mehrwegglas!

Aber mein aller-aller größter Erfolg bisher: Mein Mann benutzt festes Deo! Das habe ich schon lange mal heimlich gekauft und wollte es benutzen, wenn mein Deo alle ist. Jetzt ist seins zur Neige gegangen und wir wollten gerade mit nur Handgepäck in Urlaub gehen, sodass er seine große Deosprühflasche nicht hätte mitnehmen können. Also wurde mein festes Deo getestet und siehe da! Auch noch für besser befunden, als sein altes Deo.

Was ist schwer?
Sich nicht zu überfordern mit dem ganzen. Ich habe am Anfang versucht viel selber zu machen wie Quark, Butter oder Putzmittel. Aber ständig in der Küche zu stehen und alles selber zu machen, kann ganz schön in Stress ausarten. Verzichten will ich auch nicht immer, denn das kann zu Frust führen und plötzlich bricht alles ein, weil man nicht mehr will. Im Moment halte ich es so, dass ich auf Quark verzichte, weil Joghurt schmeckt. Butter kaufe ich in der nachhaltigsten Möglichkeit, wenn mal nicht lose zu bekommen. Putzmittel fülle ich im Unverpacktladen nach. Dort gibt es schonende Alternativen.

Man darf nicht von sich selbst alles sofort verlangen. Ich habe vieles geändert, aber man kann eben nicht einen Berg sofort erklimmen. Stückchenweise und hier habe ich für mich fest gestellt, dass ich nicht verzichten will, bis ich eine Alternative gefunden oder hergestellt habe. Sondern es wird nach und nach umgestellt. Nur wenn man mit seiner jetzigen Umstellung gut zurecht kommt und sich nicht überfordert fühlt, hat man den Kopf frei für neue Umstellungen und Projekte.
Und Vorsicht! Man kommt schnell vom Hundersten ins Tausende. Vorallem wenn man sich in Gruppen aufhält, die sich über Minimalismus und Plastikvermeidung unterhalten: Nicht nur Plastik vermeiden, sondern auch Glas oder Papier. Mikroplastik ist auch im Putzmittel, vegan leben weil Kühe gequält werden, nicht mehr Fliegen wegen CO2, nachhaltige Klamotten kaufen... die Liste ist ewig lang und viele hauen die Sachen einem um die Ohren, als wäre man verpflichtet ein Heiliger zu werden. Du bist nachhaltig, solange du nicht... und dann geht's los ;-P Ich habe mir angewöhnt diese ganzen Sachen als einen riesigen Katalog zu sehen an Möglichkeiten, um etwas Nachhaltiges zu tun. Einfach eine Sache auswählen und los geht's!

Auch das Zurechtkommen mit Mitbewohnern ist schwer. Man glaubt es kaum, aber seinem Mann beizubringen, dass man anstatt Spültabs auch einfach ein TL Natron nehmen kann und etwas Essig, ist echt nicht einfach. Vorallem kauft mein Mann schneller nach, als ich merken kann, dass etwas zur Neige geht und daher ausgetauscht werden kann.
 
Rückschläge?
Viele. Und viele leider durch meinen Mann verursacht. Wenn man in einer Beziehung lebt, dann muss man Kompromisse leben. Also akzeptiere ich, wenn er Sachen in Plastik einkauft, auf die er nicht verzichten will (z.B. Müllermilch). Dafür muss er akzeptieren, dass ich Alternativen im Mehrweg nehme. Der größte Kampf sind die Zewa Rollen, die er so heiß und innig liebt. Deshalb ist Zewa oben in meiner Auflistung auch als schwer eingestuft. Ich benutze die waschbaren Sauglappen, er benutzt Zewa.
Einen Bokashi verweigert er nach wie vor. Aber dennoch steht unser Müll nun auch gute zwei Wochen mal rum. Also wasche ich alles aus, was in den Rundmüll kommt. Und wundere mich, warum dieser trotzdem stinkt, bis mir einer erzählt, dass er gar nichts auswäscht. Miteinander reden ist das A und O!

Andere Rückschläge kommen aus unserer Gesellschaft. Bisher schaffe ich es nicht, mich klar vor Familie und Freunde hinzustellen und meinen Lebensstil zu erläutern sowie einzufordern, dass andere dies respektieren und mich bitte nicht mehr zumüllen.

Was will ich noch ändern?
  • Geschenke zu Weihnachten abschaffen. Geburtstage bleiben. 
  • Kleidung von nachhaltigen Marken wie Armed Angels einkaufen.
  • Unterwegs mehr nachhaltiger werden. Ich habe nicht immer Netze, Tasche oder To-Go-Becher dabei und greife unbewusst zu mülllastigen Sachen (z.B. Popcornbecher im Kino).
  • Nachhaltiges Reisen möchte ich gerne in mein Leben integrieren. Mehr die Region erkunden mit Fahrrad oder zu Fuß.
  • Noch mehr Alternativen bei Putzmitteln und Co finden. Wir haben Motten im Kleiderschrank entdeckt. Mein Mister wird jetzt bei nächster Gelegenheit versuchen Mottenschutz (diese komischen grünen Blätter) zu kaufen. Ich will eigentlich mit Lavendelsäckchen das ganze lösen.
  • Eine Bezugsquelle für Fisch finden.
  • Noch mehr ausmisten. Die Wohnung ist nach wie vor voll. Dabei lehne ich mich an die Einrichtungsliste von Bea Johnson.

Wo sind meine Grenzen?
Auf Reisen in ferne Länder verzichten. Oder mal eine Kinderriegeltorte backen. Gerade beim Kochen und Backen werde ich nicht immer gänzlich unverpackt sein können und wollen. Ich benutze auch Einwegglas oder kaufe Pudding im Glas. Viele sagen mir, dass kannste doch ganz leicht selber machen! Ja, aber immer alles selbst zu machen, stresst mich und vereinfacht nicht mein Leben. Und auch das ist mir ein wichtiger Aspekt. Simplify your life!

Nachhaltigkeit auf der Arbeit zu integrieren ist einfach mir nicht möglich, weil viel Aufwand und Kraft benötigt. Wir essen Mittag in der Kantine (d.h. Fleisch von nicht nachvollziehbaren Quellen) und auch wenn etwas für die Arbeit gekauft werden muss, ist es in Plastikverpackung. Ich organisiere z.B. ab und an ein Müslifrühstück. Da wird alles in Plastik gekauft, weil ich auf den Preis und das Biolabel schauen muss. Schwierig! Ich habe schon versucht den "Unverpackt"-Gedanken an die Kollegen zu tragen. Aber ich stoße auf taube Ohren.

Und meine wirkliche feste Grenze findet sich im Toilettenpapier und den Tempos. Es wird weder eine Popodusche ihren Weg in mein Heim finden noch werde ich auf Stofftempos umrüsten. Ich finde sie eklig. Besonders wenn man jemanden mit Heuschnupfen daheim hat und dieser dir Berge von produzieren kann.

Das war meine Bilanz für 5 Monate Müllreduzierung im Eigenheim. Alles im Allem bin ich recht zufrieden, vor allem da ich nicht mehr täglich den Müll rausbringen muss ;-P

Liebe Grüße aus dem Herbstwald

Helene

Kommentare:

  1. Das ist ein super umfassender Überblick - Danke fürs Teilen. Schmunzeln musste ich beim "heiß und innig geliebten Zewa" :) Ist bei meinem Mann genau dasselbe, während bei mir Küchentücher in die Kategorie... wie hast du es genannt?... "braucht keine Sau" fällt :)

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    1. Dankeschön =)
      Ich bin immer wieder froh zu lesen, dass es anderen so geht wie mir! Neidvoll lese ich ja manchmal die Berichte von zerowastefamily, wo vieles so wunderbar geht ;-)
      Vielen Dank auch für deine Empfehlung. Hab das heute gesehen und mich sehr gefreut!

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  2. Ich laß Verpackungen, wenn sie sich schon nicht vermeiden lassen, immer beim Händler. Im Lidl zum Beispiel packe ich, wenn ich schon verpackten Fisch oder Fleisch kaufe, diesen aus, die Verpackung, die gemäß Gesetz in der Schweiz abgegeben werden darf, hinter der Kasse im Müll (nach dem Bezahlen natürlich) und transportiere ihn entweder in Gemüsetüten oder bei anderen Sachen wie Gemüse und Obst (Paprika, Gurken zum Beispiel) einfach so.

    Besser ist es natürlich, Dinge zu kaufen, die gar nicht verpackt sind.

    Oder selbst anzubauen. Grad diesen Herbst hat es sehr viele Trauben bei mir.

    Eier kann ich bei einem Nachbarn kaufen, das Glück hat natürlich nicht jeder.
    Grad baue ich einen Wachtelstall. Dann hab ich selbst Eier. Wachteln und Hühner sind außerdem super Küchenresteverwerter.

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    1. Das mit dem Auspacken finde ich super! Das gibt den Händlern auf jeden Fall das Zeichen, dass Verpackungen nicht gewünscht sind. Muss ich mich mal informieren, ob das in Deutschland auch so ist. Ich meine schon mal was darüber gelesen zu haben. Weiß aber nicht mehr welches Land es damals war.
      Neben unverpackten Einkäufen finde ich es auch wichtig Hersteller und Händler anzuschreiben und unverpackte Möglichkeiten vorzuschlagen. Wenn die Kunden sich nicht melden, findet auch kein Umdenken statt.

      Ein Garten ist etwas sehr Schönes! Ich habe leider nur einen kleinen Balkon und bin auf meine Umgebung angewiesen. Aber so lernt man auch Leute kennen und tauscht. Ich habe für diesen Herbst jetzt einen Tausch Quitten gegen 2 Flaschen Quittensaft.
      Da haben dann beide Parteien was davon.

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  3. Hallo Helene,

    deine Liste finde ich schön übersichtlich. Wenn man sie durchliest reflektiert man selber, wo man noch nachhaltiger Leben könnte. Wir machen es übrigens ähnlich wie ihr und jagen nicht jeden Nachhaltigkeits-Hype hinterher oder leben dogmatisch. Wir suchen uns auch aus dem Katalog der uns gegeben ist raus, was wir in unseren Lebensstil integrieren möchten.

    Liebe Grüße,
    Sarah

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    1. Hallo Sarah,

      dankeschön =) Ich hoffe, in meiner Liste ist die ein oder andere Idee für dich dabei ^^

      Liebe Grüße

      P.S. Es geht ja langsam Richtung Weihnachten. Dieses Jahr wieder japanische Plätzchen backen? ;-)

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